REACT CKD

REACT-CKD

Chronische Nierenkrankheit früher erkennen. Und gezielt behandeln.

REACT-CKD ist eine bundesweit angelegte Studie, die beantworten soll: Wie viele Menschen der arbeitenden Bevölkerung haben eine chronische Nierenkrankheit? Und wie können Betroffene gezielt bei der Behandlung unterstützt werden?

Die unterschätzte Volkskrankheit

Weltweit haben schätzungsweise 10 von 100 Menschen eine chronische Nierenkrankheit. Doch viele wissen nicht, dass sie erkrankt sind: Beschwerden treten oft erst auf, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist.

Fachleute sprechen vom "Silent Killer", denn: Die chronische Nierenkrankheit erhöht deutlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und an diesen zu versterben, etwa durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch sind die Beschwerden und die Behandlung der fortgeschrittenen Nierenkrankheit, etwa mithilfe der Dialyse, nicht nur sehr belastend für Menschen. Sie sind auch mit hohen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden.

Mögliche Lösung: REACT-CKD

Dabei ist die Diagnose der chronischen Nierenkrankheit leicht: Häufig reicht ein einfacher Urintest, um sie anhand einer erhöhten Eiweißausscheidung zu erkennen. Doch bisher wird dieser Eiweißwert viel zu selten gemessen. REACT-CKD bringt die Früherkennung dorthin, wo Menschen ohnehin regelmäßig untersucht werden: in ihre Arbeitsstätten. Im Rahmen der arbeitsmedizinischen Untersuchung von kooperierenden Unternehmen wird ein Urintest durchgeführt. Wer einen auffälligen Befund hat, wird zeitnah einem Nierenspezialisten vorgestellt – ohne lange Wartezeiten und wohnortnah. 

Die Studie läuft in vier Regionen Deutschlands:  

  • Köln 

  • Leipzig 

  • Stuttgart  

  • Metropolregion Rhein-Neckar 

Rund 50.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen gescreent werden.

So läuft das Programm ab

1 – Screening beim Betriebsarzt 

Menschen können informiert entscheiden, ob sie an dem Screening auf eine chronische Nierenkrankheit teilnehmen wollen. Falls ja, wird im Rahmen der regulären Betriebsuntersuchung ein Urintest auf erhöhte Eiweißwerte (spezifisch Albumin) durchgeführt. 

2 – Auffälliger Befund?  

Wer erhöhte Werte hat, wird über die Bedeutung des Ergebnisses informiert. Falls gewünscht, erhalten diese Personen innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Nierenspezialisten in ihrer Nähe.

3 – Diagnose und Behandlungsplan 

Der Spezialist klärt ab, ob tatsächlich eine chronische Nierenkrankheit vorliegt. Bei bestätigter Diagnose entwickelt er gemeinsam mit dem Teilnehmenden einen individuellen Behandlungsplan, der zu seinem Leben passt – mit allem, was dazugehört: Medikamente, Ernährung, Bewegung. 

4 – Sechs Monate aktive Teilnahme

Eine digitale Anwendung informiert und unterstützt Teilnehmende, um ihre Gesundheitskompetenz und Selbstwirksamkeit zu stärken. Videos vermitteln Wissen über die chronische Nierenkrankheit, ihre Folgen und was Betroffene selbst aktiv zu ihrer Behandlung beitragen können. Die Anwendung enthält die konkreten, individuellen Empfehlungen aus dem Behandlungsplan.

Außerdem misst ein "smartes" Armband Blutdruck, Herzfrequenz und weitere Werte. Diese werden automatisiert und verschlüsselt übermittelt. So haben Teilnehmende und das Behandlungsteam den Verlauf der Werte im Blick und die Behandlung kann bei Bedarf einfach angepasst werden – auch ohne Gang zur Praxis.

5 – Auswertung

Nach 6 Monaten aktiver Teilnahme wird gemessen, welche Wirkung das Programm auf die Teilnahmenden hatte: Ist die Eiweißausscheidung im Urin gesunken? Wie hat sich die Nierenfunktion entwickelt? Ernähren sich die Teilnehmenden gesünder, bewegen sie sich mehr? Und fühlen sie sich insgesamt besser?

Was ist das Ziel von REACT-CKD? 

Das Projekt hat zwei Ziele: Wissen zu schaffen und Menschen zu helfen.

Im ersten Schritt wird erhoben, wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer teilnehmender Unternehmen in Deutschland eine chronische Nierenkrankheit haben.

REACT-CKD geht dann aber weiter: Wer einen auffälligen Befund hat, wird nicht allein gelassen. Die Teilnehmenden werden aktiv begleitet und konsequent behandelt. Für sie bedeutet die Studie eine echte Chance: Wer früh diagnostiziert und behandelt wird, kann das Fortschreiten der Nierenkrankheit aufhalten oder zumindest stark verlangsamen. Somit kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich gesenkt werden.

REACT-CKD soll erstmals verlässliche Daten über den Nutzen von flächendeckenden Früherkennungsuntersuchungen bei chronischer Nierenkrankheit liefern. Sie sind die Basis, um ein Früherkennungsprogramm zu etablieren, das von den Krankenkassen erstattet wird. Das soll Lebensqualität wahren, Leben verlängern und langfristig das Gesundheitssystem entlasten.

Mitmachen – für Unternehmen und Ärzte 

Ob als Unternehmen, das seinen Mitarbeitenden ein sinnvolles Gesundheitsangebot machen möchte, oder als niedergelassener Nephrologe / niedergelassene Nephrologin, der / die an der Studie teilnehmen möchte – wir freuen uns über Ihre Anfrage. 

Projektpartner

Projektleitung

Dr. Christoph Lindemann

Uniklinik Köln

christoph.lindemann@uk-koeln.de

Prof. Dr. Paul Brinkkötter

Prof. Dr. Paul Brinkkötter

Uniklinik Köln

paul.brinkkoetter@uk-koeln.de

Regionale Kooperationspartner

PD Dr. Ralph Wendt

PD Dr. Ralph Wendt

Klinikum St. Georg Leipzig

Prof. Dr. Jörg Latus

Prof. Dr. Jörg Latus

Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart

Methodisch/statistische Betreuung

PD Dr. Natalie Ebert

PD Dr. Natalie Ebert

Charité Berlin

Prof. Dr. Elke Schäffner

Prof. Dr. Elke Schäffner

Charité Berlin

Kommunikation

PD Dr. Jens Ulrich Rüffer

PD Dr. Jens Ulrich Rüffer

TAKEPART Media + Science GmbH